Behauptung CA045:
Der Film Inherit the Wind, eine fiktive Darstellung des berühmten Scopes-Prozesses, ist irreführende Propaganda. Er stützt sich stark auf anti-christliche Ideen und stellt die Evolution als zensiert dar, während die Evolution in Wahrheit die Zensur ausübt.Quelle:
Nesselroade, Paul. 2003. Winds of change? Wedge Update (1. Juli),
http://www.arn.org/docs/wedge/pn_wedge_030701.htm
Antwort:
- Inherit the Wind ist Fiktion und war von Anfang an als solche gedacht. Wie Arthur Millers The Crucible war sie inspiriert von den Ereignissen der McCarthy-Ära, insbesondere der Unterdrückung damals vorherrschender Ideen (ClassicNote 1999). Die Autoren versuchten, ihre Fiktionalität zu betonen, indem sie fiktive Namen für die Charaktere verwendeten. In der gedruckten Version des Stücks schreiben sie,
Inherit the Wind ist keine Geschichte. Die Ereignisse, die im sengenden Juli 1925 in Dayton, Tennessee, stattfanden, sind klar die Genesis dieses Stücks. Es hat jedoch eine eigene Exoduserzählung. [. . .]
Leider wurde das Drama von anderen, insbesondere von den Filmvermarktern, als Geschichte behandelt. Dies ist beiden, der Geschichte und dem Drama, abträglich. Die Geschichte ist an anderer Stelle dokumentiert (z. B. Larson 1997). Das Drama geht um Einstellungen und Ideen. Dass das Drama durch die Jahrzehnte hinweg beliebt bleibt, zeigt, dass die Ideen auch heute noch relevant sind.
Der Zusammenstoß von Bryan und Darrow in Dayton war dramatisch, aber es war kein Drama. Zudem haben die Themen ihres Konflikts in den dreißig Jahren seit ihrem Zusammenstoß auf dem Rhea County Courthouse neue Dimension und Bedeutung erhalten. Also Inherit the Wind tut nicht so, als sei es Journalismus. Es ist Theater. Es ist nicht 1925. Die Bühnenanweisungen setzen die Zeit als "Nicht allzu lange her" fest. Es könnte gestern gewesen sein. Es könnte morgen sein. (Lawrence und Lee 1955) - Dramatische Freiheiten bei der Geschichte sind in vielen anderen Dramen üblich, wie etwa Bertolt Brechts Galileo und die Filme 1776,
Spartacus und The
Passion of the Christ, um nur einige zu nennen.
- Der Kreationismus ist ein Geschäft mit Millionenumsatz mit zahlreichen Vortrags-, Verlags- und anderen Werbekanälen. Beschwerden, dass er unter unangemessener Propaganda leidet, geschweige denn dass er systematisch zensiert wird, sind reine Paranoia.
Links:
ClassicNote. 1999-2003. ClassicNote zu Inherit the Wind. http://www.gradesaver.com/ClassicNotes/Titles/inherit/about.htmlReferenzen:
- ClassicNote. 1999-2003. (siehe oben)
- Larson, E. J. 1997. (siehe unten)
- Lawrence, J. und R. E. Lee. 1955. (siehe unten)
Weiterführende Studien:
Lawrence, J. und R. E. Lee. 1955. Inherit the Wind. New York: Bantam.Larson, E. J. 1997. Summer of the Gods: The Scopes Trial and America's Continuing Debate over Science and Religion. Cambridge, MA: Harvard University Press.
erstellt 2004-5-25