Wo sind die Übergangsformen?
Monatsbeitrag: Mai 1997
von Chris Nedin
In
talk.origins Lori Malt <malt@gramana.com> schrieb:
Und was nun? Die Echsenbeine wurden kürzer. Das ist nur Variabilität innerhalb einer Art. Das ist nicht so, als hätte ein Hund eine Katze geboren.
Das ist zweifellos ein Troll. Es bringt jedoch einen wichtigen Punkt zur Sprache - und vor allem ermöglicht es mir, ein paar E-Mails als Beitrag wiederzuverwenden. :-)
Die Relevanz dieser Befunde ist die Geschwindigkeit, mit der eine stabilisierende Selektion auf Veränderungen der Umwelt reagiert und zerfällt. Genau hier, im Fall der Galápagosfinkenarten, ist eine rasche Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen zu sehen, wodurch klare morphologische Unterschiede entstehen (Fußnote: Ich habe den Bericht noch nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob die Morphologie der neuen Echsen den normalen morphologischen Bereich der Originalgruppe überschreitet. Das ist ein wichtiger Punkt, wie Clark angemerkt hat - übrigens, Dorman, wo ist mein Video?!!). Die Insel-Echsen sind jetzt morphologisch unterschiedlich von der ursprünglichen Population von Echsen von der Hauptinsel.
Wie bereits erwähnt (obwohl auf die Schippe genommen), ist dies jedoch keine Artbildung. Oder ist es doch?
Sicherlich ist es keine biologische Artbildung. Die morphologischen Veränderungen haben keine reproduktive Isolation zur Folge (vorausgesetzt, die kurzbeinigen Echsen bekommen eine kleine Hilfe ... ähm, pardon ... einen kleinen Vorsprung), und daher sind die beiden Echsengruppen nach dem biologischen Artkonzept immer noch dieselbe Art.
Aber Paläontologen können weder das biologische Artkonzept noch DNA-Analysen verwenden, um Fossilarten zu identifizieren. Das einzige verbleibende Kriterium ist der Vergleich der Morphologie. Das ist im Allgemeinen kein Problem, da nahezu die gesamte Taxonomie vor allem auf morphologischem Vergleich beruht. Paläontologen sind jedoch weiter eingeschränkt, weil wir nur mineralisierte Körperteile (Knochen, Schalen usw.) verwenden können.
Nehmen wir an (und das ist durchaus möglich, wenn eine ausreichende morphologische Unterschiedlichkeit gegeben ist), dass diese beiden Morphotypen als unterschiedliche Arten gewertet worden wären, wenn nur Fossilien gefunden worden wären. Dann würden wir, wenn wir aus der Zukunft auf den Fossilbericht dieses Wandels zurückblicken (unter der Annahme, dass die kurzbeinigen Echsen für eine nennenswerte Zeit überleben), sehen, dass es bei einer Echse zunächst einen Morphotyp und dann zwei getrennte Morphotypen gibt, ohne dass es einen Nachweis der Übergänge zwischen ihnen gäbe, weil dieser zu schnell verlief.
So wurde gesehen, dass identifizierbare und stabile, diskontinuierliche Variation in Morphologie sehr rasch auftritt. Da die Variation in der Morphologie die Standardmethode zur Identifizierung von Fossilarten ist, stützt dieses Beispiel die Ansicht, dass solche morphologischen Veränderungen häufig zu rasch ablaufen, als dass sie im Fossilbericht ausreichend abgebildet wären.
Der wörtliche Kreationist würde dann fragen: „Wo ist die Übergangsart mit zwischengeschalteter Beinlänge?“. Die Antwort wäre, dass sie nur in einem sehr kurzen Zeitfenster von nur 20 Jahren (in diesem Fall) existiert und es damit nahezu unmöglich wäre, eine solche Art zu finden.
Diese Befunde stützen die Ansicht, dass Übergangsformen im Fossilbericht sehr selten wären.
Betrachtet man es auf andere Weise:
No. in original
Population
^
|
|
|
| species A species B species C
|
| * * o o
| * * @ @ o o x = fossils
| * x * @ x @ o x o
| * x x * @ x x @ o x x o
| * x * @ x x @ o x x x o
| * x x x * @ x x @ o x xxx o
| * x xx x * @ x x @ o x x o
|* @ * x x x o @ x xx x o
----------------------------------------------------------------------->
Morphology
Time
^
|
| | | | |
| | | | | | C |
| | | | B | | |
| | A | | |
| | | | |
| | |
| | |
-----------------------------------------------------------------------
Morphological limits of species as found as fossils
Nehmen wir an, dass Art B aus A und Art C aus B entstanden ist, unter ähnlichen Umständen wie bei den Echsen. Dann würden wir im Fossilbericht drei deutlich verschiedene Morphotypen sehen, die als unterschiedliche Arten klassifiziert würden. Die Gesamtzahl der Übergangsformen und die gesamte Zeitdauer, in der diese Übergangsorganismen existierten, ist im Vergleich zu den Gesamtzahlen und der Dauer des Vorkommens jener Organismen mit typischer Artmorphologie sehr gering. So wären die morphologischen Lücken zwischen Art A, B und C sehr schwer zu schließen. Der wörtliche Kreationist würde auf die Lücken zeigen und sagen: „Wo sind die Übergangsformen? B kann nicht als Übergangsform gelten, weil es sich um eine abgegrenzte Art handelt.“
Aber wenn wir glücklich genug wären, eine kleine Gruppe von Fossilien zwischen A und B zu finden, z. B.:
|
|
|
| species A D species B
| * * |
| * * | @ @ x = fossils
| * x * | @ x @
| * x x * | @ x x @
| * x * \|/ @ x x @
| * x x x * @ x x @
| * x xx x * x @ x x @
|* @ x * x x x @
----------------------------------------------------------------------->
Morphology
Time
^
|
| | | | |
| | | D | |
| | | | B |
| | A | || | |
| | | || | |
| | | ||
| | |
-----------------------------------------------------------------------
Morphological limits of species as found as fossils
Der Ruf erscholl dennoch: „Wo sind die Zwischenformen zwischen A und D und D und C?“ Das ist die „unendliche Regression der Übergangsfossilien“. Doch, so wie die Echsenstudie nahelegt, ist das Auffinden einer vollständigen Reihe fast unmöglich, wenn man die Geschwindigkeit betrachtet, mit der diskontinuierliche morphologische Variation zwischen Gruppen auftreten kann.
Mein Dank gilt Jim Lippard für die ursprüngliche Weitergabe des Artikels.
Der Beitrag wurde ursprünglich am 7. Mai 1997 veröffentlicht