Behauptung CB101.2:

Mutationen variieren nur Merkmale, die bereits vorhanden sind. Sie produzieren nichts Neues.

Quelle:

Watchtower Bible and Tract Society. 1985. Life—How Did It Get Here? Brooklyn, NY, p. 103.
Morris, Henry M. 1985. Scientific Creationism. Green Forest, AR: Master Books, 51.

Antwort:

  1. Die Variation von Merkmalen ist die Produktion von Neuheit, besonders dort, wo vorher keine Variation vorhanden war. Die Anhäufung geringer Modifikationen ist eine Grundlage der Evolution.

  2. Die Dokumentation von Mutationen, die neue Merkmale produzieren, umfasst Folgendes:
    • die Fähigkeit eines Bakteriums, Nylon zu verdauen (Negoro et al. 1994; Thomas n.d.; Thwaites 1985);
    • Anpassung von Hefen an eine phosphatarme Umgebung (Francis und Hansche 1972; 1973; Hansche 1975);
    • die Fähigkeit von E. coli, Galaktosylarabinose zu hydrolysieren (Hall 1981; Hall und Zuzel 1980);
    • Evolution der Multizellularität in einem einzelligen Grünalgen (Boraas 1983; Boraas et al. 1998);
    • Modifikation des Fucose-Wegs von E. coli, um Propanediol zu metabolisieren (Lin und Wu 1984);
    • Evolution in Klebsiella-Bakterien eines neuen Stoffwechselwegs für die Metabolisierung von 5-Kohlenzucker-Zuckern (Hartley 1984);

    Es gibt Belege für Mutationen, die andere neue Proteine produzieren:
    • Proteine im Histidin-Biosyntheseweg bestehen aus Beta/Alpha-Röhren mit einem zweifachen Wiederholungsmuster. Diese scheinen sich aus der Duplizierung und Fusion von Genen aus einem Halbröhren- Vorfahren entwickelt zu haben (Lang et al. 2000).

    Laborversuche mit gerichteter Evolution zeigen, dass die Evolution einer neuen Funktion oft mit Mutationen beginnt, die wenig Auswirkungen auf die ursprüngliche Funktion eines Gens haben, aber große Auswirkungen auf eine zweite Funktion. Gen-Duplizierung und Divergenz können dann die neue Funktion verfeinern. (Aharoni et al. 2004)

  3. Damit Evolution funktionieren kann, ist die Quelle der Variation egal; alles, was zählt, ist, dass vererbbare Variation auftritt. Eine solche Variation wird durch die Tatsache gezeigt, dass Züchtung neue Merkmale in vielen Arten, einschließlich Katzen, Hunde, Tauben, Goldfische, Kohl und Geranien, hervorgebracht hat. Einige der Merkmale waren bereits vorhanden in der ursprünglichen Population, aber nicht alle, besonders wenn man den Kreationistenstandpunkt betrachtet, dass die Tiere aus einem einzelnen Paar entstanden sind.

Links:

Max, Edward E. 1999. Die Evolution der verbesserten Fitness durch zufällige Mutation plus Selektion. http://www.talkorigins.org/faqs/fitness/

Musgrave, Ian, Steven Pirie-Shepherd, und Douglas Theobald. 2003. Apolipoprotein AI-Mutationen und Information. http://www.talkorigins.org/faqs/information/apolipoprotein.html

Thomas, Dave. n.d. Evolution und Information: Der Nylon-Bug. http://www.nmsr.org/nylon.htm

Referenzen:

  1. Aharoni, A., L. Gaidukov, O. Khersonsky, S. McQ. Gould, C. Roodveldt und D. S. Tawfik. 2004. Die 'Evolvability' von promiskuitiven Protein- Funktionen. Nature Genetics [Epub Nov. 28 ahead of print]
  2. Boraas, M. E. 1983. Predatoreninduzierte Evolution in Chemostat- Kulturen. EOS 64: 1102.
  3. Boraas, M. E., D. B. Seale, und J. E. Boxhorn. 1998. Phagotrophie durch einen Geißeltierchen wählt koloniale Beute: Eine mögliche Entstehung der Multizellularität. Evolutionary Ecology 12: 153-164.
  4. Francis, J. E. und P. E. Hansche. 1972. Gerichtete Evolution von Stoffwechselwegen in mikrobiellen Populationen. I. Modifikation des pH-Optimums der sauren Phosphatase in S. cerevisiae. Genetics 70: 59-73.
  5. Francis, J. E. und P. E. Hansche. 1973. Gerichtete Evolution von Stoffwechsel- wegen in mikrobiellen Populationen. II. Eine wiederholbare Anpassung in Saccharomyces cerevisiae. Genetics 74: 259-265.
  6. Hall, B. G. 1981. Änderungen in den Substratspezifitäten eines Enzyms während der gerichteten Evolution neuer Funktionen. Biochemistry 20: 4042-4049.
  7. Hall, B. G. und T. Zuzel. 1980. Evolution einer neuen enzymatischen Funktion durch Rekombination innerhalb eines Gens. Proceedings of the National Academy of Science USA 77(6): 3529-33.
  8. Hansche, P. E. 1975. Gen-Duplizierung als Mechanismus der genetischen Anpassung in Saccharomyces cerevisiae. Genetics 79: 661-674.
  9. Hartley, B. S. 1984. Experimentelle Evolution der Ribitol-Dehydrogenase. In: Mikroorganismen als Modellsysteme zum Studium der Evolution, R. P. Mortlock, ed., New York: Plenum, pp. 23-54.
  10. Lang, D. et al. 2000. Struktureller Beleg für die Evolution des beta/alpha-Röhren-Skeletts durch Gen-Duplizierung und Fusion. Science 289: 1546-1550. Siehe auch: Miles, E. W. und D. R. Davies, 2000. Über die Abstammung der Röhren. Science 289: 1490.
  11. Lin, E. C. C. und T. T. Wu. 1984. Funktionelle Divergenz des L-Fucose-Systems in Mutanten von Escherichia coli. In: Mikroorganismen als Modellsysteme zum Studium der Evolution, R. P. Mortlock, ed., New York: Plenum, pp. 135-164.
  12. Negoro, S., K. Kato, K. Fujiyama und H. Okada. 1994. Das Nylon-Oligomer- Biodegradationsystem von Flavobacterium und Pseudomonas. Biodegradation 5: 185-194.
  13. Thomas. n.d. (siehe oben).
  14. Thwaites, W. M. 1985. Neue Proteine ohne Gottes Hilfe. Creation/Evolution 5(2): 1-3. http://www.ncseweb.org/resources/articles/4661_issue_16_volume_5_number_2__4_10_2003.asp

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erstellt 2003-7-3, geändert 2004-12-17